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Altmann, Hans H.

Altmann, Hans H.

Altmann, Hans H.

Foto aus dem Buch "Mein abenteuerliches Leben in Deuschland und in der Sowjetunion 1923 bis 1951"

Hans Altmanns Geschichte ist gewöhnlich und außergewöhnlich zugleich. Gewöhnlich ist sie, weil die Fallstricke des sowjetischen Kerkersystems in den 1930er Jahren, als sich Stalin an­schickte, den Würgegriff an die Kommunistische Partei und den sowjetischen Staatsapparat zu legen, nicht nur ihm, sondern auch Millionen anderen zum Verhängnis wurden, von denen einige überlebten und darüber berichten konnten. Dennoch gibt es verschiedene Aspekte, die seine Geschichte außergewöhnlich machen: erstens die Sichtweise eines idealistisch veranlagten deutschen Ingenieurs, der glaubte, dass Arbeit und Leben dasselbe seien und deshalb als 25-Jähriger vor dem Wirtschaftschaos der westlichen Welt und der drohenden Nazi-Barbarei Zu­flucht in einem Staat suchte, in dem die Arbeit verherrlicht wurde, die Arbeiter angeblich das Sagen hatten und die Habgier als oftmals untaugliche Triebkraft der westlichen Ökonomie durch einen Ruf zur Arbeit für das Gemeinwohl, für den Aufbau des Kommunismus und für die Schaffung eines durch revolutionäre soziale Beziehungen hervorgebrachten neuen Men­schentypus ersetzt worden war, dass zweitens der Autor trotz seines ungestümen, riskanten und mutigen Widerstandes gegen die Missstände des Sowjetsystems überleben konnte, dass er drittens die einmal gefassten ursprünglichen Überzeugungen beibehalten hat, ungeachtet des­sen, dass deren Ideale durch das immer währende Machtstreben von Funktionären in ihr Ge­genteil verkehrt wurden und viertens die persönliche Note, die Herrn Altmanns eigene Erleb­nisse seiner Schilderung der Lebensjahre von 25 bis 31 (1932 bis 1938) verleihen. In diesem Zu­sammenhang erfährt man sehr Liebenswertes und Gewinnendes über Herrn Altmanns donqui­chottische Naivität angesichts der unüberwindlichen Mängel des Sowjetsystems, Mängel, die sowohl für die Russen als auch für seine deutschen Landsleute lange vor seiner Verhaftung offenkundig waren.

Stalins Repressalien in den Dreißiger Jahren sind wohlbekannt, aber jeder persönliche Bericht lässt die menschlichen Tragödien, die mit dieser schwierigen historischen Epoche verbunden waren, wiedererstehen. In dieser Hinsicht vermittelt der Bericht von Herrn Altmann Einblicke in solche Erscheinungen wie: die schmerzhaften Wachstumsbeschwerden, denen ein Staat aus­gesetzt ist, der die Industrialisierung anstrebt, dem aber nur ungeeignete ländliche Arbeitskräfte zur Verfügung stehen; den Konflikt zwischen den Arbeiterinteressen und der aufkommenden Bürokratie; die zunehmenden Zeichen eines sowjetischen Militarismus und die letztendliche Verkehrung einer möglichen demokratischen Ordnung in das klassische Beispiel eines totalitä­ren Polizeistaates.

 

Aus dem Geleitwort zur kanadischen Ausgabe von R.L. Busch, Universität von Alberta


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Artikel-Nr.: 978-3-86777-198-6

Mein abenteuerliches Leben in Deuschland und in der Sowjetunion 1923 bis 1951. Herausgegeben von Thomas Müller und Anna E. Altmann, 352 Seiten mit 25 Abbildungen. Der Teil 2 („Die russische Episode“) ist unter dem Titel Shop-Floors and Prisons von der Central and East European Studies Society of Alberta in englischer Sprache herausgegeben worden (ISBN 0-88864-855-3; Edmonton (Kanada) 1987).

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